ATS Kulmbach Schwimmen - Geschichte des Schwimmvereins

Interview zur Geschichte der ATS-Schwimmabteilung
Fragen von Natalie Sachs an Abteilungsleiter Michael Deichsel (2005)


1. Wann und von wem wurde der Schwimmverein gegründet?
Eigentlich gibt es keinen eigenständigen Schwimmverein, sondern nur eine Schwimmabteilung im ATS Kulmbach. Die Schwimmabteilung wurde aus dem Allgemeinen Turn und Sport- Verein heraus am 11.3.1922 gegründet. Man höre und staune, um den Mitgliedern den Erwerb des Turn- und Sportabzeichens zu ermöglichen.


2. Welche Gründer sind heute (2005) noch dabei?
Da die Gründung bereits 83 Jahre zurück liegt, ist heute niemand mehr von damals dabei. Zu denjenigen, die am weitesten zurückblicken können gehören Toni Eschenbacher, Günther Limmer, Horst Teller und Bernd Titus.


3. Aus welchem Grund wurde der Schwimmverein gegründet?
Wie bereits erwähnt, um das Sportabzeichen im Schwimmen ablegen zu können. Ein besonderes Programm wurde nicht festgelegt. Damals wurde z. B. in der Zeitung erwähnt: "Der Schwimmverein soll die Schwimmkunst zum Gemeingut des Volkes machen und damit den nassen Tod wirksam bekämpfen!"
Aber bereits damals gab es Wett- und Werbeschwimmveranstaltungen mit Wasserball und Kunstspringen. Der Main wurde dazu auf 4 Meter Tiefe ausgebaggert.


4. Wie hoch war die ursprüngliche Mitgliederzahl?
Bei der Gründungsversammlung traten 25 Mitglieder bei.


5. Wie viel Mitglieder hat die Schwimmabteilung heute?
Derzeit (2005) hat die Schwimmabteilung ca. 220 Mitglieder. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele Mitglieder im ATS auch noch andere Sportarten wahrnehmen.


6. Wie haben sich die Schwimmbadverhältnisse geändert?
Zuerst wurde ab 1922, dort wo heute das Freibad ist, im Main geschwommen. 
Danach erfolgte 1934 der Ausbau zu einem Freibad mit 50 Meterbecken. 
1969 erhielten wir das Hallenbad mit einem 25 Meterbecken.
1972 wurde das Freibad in der jetzigen Form eingeweiht.
1996 wurde das Hallenbad grundlegend renoviert.


Kulmbacher Freibad 1934 (50m Becken)


Kulmbacher Freibad 1934 (Nichtschwimmer)


7. Welche Zeiten würdest Du als die schwierigsten bezeichnen und Warum?
Wahrscheinlich waren die schwierigsten Zeiten die nach dem 2. Weltkrieg 1945, den ich jedoch nicht miterlebt habe.
Ich kann natürlich im Wesentlichen nur den Zeitraum seit 1968 beurteilen, den ich miterlebt habe. In dieser Zeit haben sich die Bäder entwickelt und es waren bis heute immer ausreichende finanzielle Mittel vorhanden um das Vereinsleben zu gestalten. Wichtig ist, dass sich Schwimmkameraden finden, die gemeinsam das Vereinsleben gestalten und das hat bis heute zum Glück immer geklappt.


8. Welche Zeit würdest Du als das “Goldene Zeitalter” des Schwimmvereins bezeichnen und warum?
Bei dieser Frage will ich mich auf meine aktive Zeit beschränken. “Golden” waren die Zeiten, als wir um 1974 bis 1982 mit unserem Trainer Herbert Pöhlmann und Günter Herold in der DMS Bayernliga schwammen und sicher eine tolle Schwimmtruppe waren von denen sehr viele heute noch im Verein als Trainer in der Abteilungsleitung und als Masterschwimmer dabei sind. Das zweite “Goldene Zeitalter” begann mit der Leistungssteigerung der 1. Mannschaft und den Aufstieg in die DMS Landesliga unter Karl Heinz Weber und den großen Erfolgen der Kulmbacher Masterschwimmer auf Deutscher und Internationaler Ebene.

2.Goldene Zeitalter: Mastertruppe auf der Bayerischen Meisterschaft in Aschaffenburg


2.Goldene Zeitalter: Mannschaftsfoto der Jugend im Hallenbad


9. Was hat sich zum positiven Verändert?
Am schönsten für mich in der ATS Schwimmabteilung ist das enge Miteinander von Alt und Jung sowie von Mädchen und Jungs in der Schwimmabteilung. Der Grundstein für diese Entwicklung wurde bereits 1974 gelegt. Schon damals schwammen alt gediente Schwimmer einzelne Strecken in der DMS Mannschaft mit und dieser Zusammenhalt ist heute ein Markenzeichen der Schwimmabteilung.


10. Was ist der größte Unterschied zwischen der Zeit kurz nach der Gründung und heute in Bezug auf Gemeinschaft, Leistung und Altersklassen?
In der Gründungszeit diente der Schwimmverein vorrangig der Volksgesundheit. Heute stellt der Wettkampfsport ein wesentliches Merkmal dar. Dies führte auch dazu, dass weniger gesellige Veranstaltungen dafür mehr Wettkampfbesuche im Jahreszyklus durchgeführt werden. Auch für den Einzelnen ist es anstrengender geworden, denn im Trainingsmittelpunkt steht die Schwimmleistung, mit der sich jeder Verein gerne schmückt.
Neu entwickelt hat sich seit ca. 1970 der Mastersport (Seniorenwettkämpfe) in denen heute Leistungen erzielt werden, wie sie früher für aktive Schwimmer kennzeichnend waren.


11. Was waren die größten Erfolg, was die Leistung betrifft, und durch wen wurden diese erzielt ?
Große Erfolge errangen die Schwimmer Günter Herold, Reinhard Tröger, Ulrich Deichsel, Wolfgang Pirl, Bernd und Udo Schenkendorf, Florian Weber und als Masterschwimmer Karl Heinz Weber und Ingo Schilling, Die höchsten Auszeichnungen im Schwimmleistungssport errang sicher Wolfgang Pirl, der über die Bruststrecken Mitglied des Nationalkaders war. Allerdings errang er diese Erfolge nicht für den ATS Kulmbach, sondern schwamm für größere Schwimmvereine in Würzburg, Berlin und Bayreuth. 2008 holte er für den ATS Kulmbach zwei Weltmeistertitel bei der Mastersweltmeisterschaft in Perth.


12. Wie viele Neueinsteiger hat der Verein im Jahr und wie hat sich diese Zahl im Laufe der Jahre geändert?
Derzeit hat der Verein ca. 20 bis 25 Neuzugänge pro Jahr. Leider treten aber auch fast die gleiche Anzahl wieder aus, so dass wir von der Mitgliederzahl seit Jahren stabil bei ca. 220 bis 230 Mitglieder liegen.


13. Wann kam der erste Deichsel dazu und wie viele sind es heute?
Wir, das heißt Ulrich, Stephan und ich sind 1969 nach einem Schulschwimmfest zur Schwimmabteilung gestoßen. Unser großer Bruder Peter war damals bereits ein großer 400 Meter Läufer in der Leichtathletikabteilung. Johannes kam dann ca. 1970, nachdem er das Schwimmen gelernt hatte ebenfalls zur Schwimmabteilung. Heute sind wir 15 Deichsel die im ATS Sport treiben und Stephan schwimmt mit seinen vier Kindern in der Regensburger Turnerschaft.


14. Warum sind Sie dem Schwimmen so verbunden?
Ich glaube das liegt zum Einen an der Freude am Wasser und zum Anderen an den Gemeinschaftserlebnissen und Erfolgen, die wir zusammen mit den anderen Schwimmerinnen und Schwimmern in den zurückliegenden Jahren errungen haben.
Ich denke dabei an die tollen Schwimmveranstaltungen genauso wie Trainingslager, Schottlandbesuche und Sonnwendfeiern. Dazu kommt, dass Schwimmen eine der gesündesten Sportarten überhaupt ist und diese überall ausgeübt werden kann.


15. Was macht Schwimmen eigentlich so beliebt?
Ich glaube, dass es das Wasser ist und solange es noch ausreichend Wasser gibt um darin zu Schwimmen, wird es auch die Schwimmabteilung geben.